atheus Branchenblick November 2017

Nach der DKM ist vor der IDD – Wo geht es hin für Finanzdienstleister?

Gangolf Thoennessen, GF der atheus Akademie für Finanzdienstleistung, hat sich auch im November wieder ein Bild der Lage verschafft.

Nachdem gerade die sogenannten Jamaika-Verhandlungen zur Bildung einer neuen Bundesregierung beendet wurden, macht sich auf dieser Ebene die Unsicherheit breit, die die Finanzdienstleisterbranche schon lange umtreibt. So etwa bleibt es auch in Sachen IDD und deren Umsetzung in deutsches Recht noch immer in vielen Punkten unklar, wie es weitergeht.

Selbst nach einem im Oktober erschienen Referentenentwurf aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ist zwar formuliert, dass die Weiterbildung wie bisher üblich durch Präsenzveranstaltungen, E-Learning, Blended Learning und im Rahmen betriebsinterner Weiterbildungsmaßnahmen erfolgen kann und dass entsprechende Nachweise aufzuheben und Erklärungen zur Erfüllung der Weiterbildungspflichten abzugeben sind –letztlich aber bleibt alles immer noch viel zu umkonkret und praxisfern, um sich darauf irgendwie sinnvoll vorbereiten zu können. Verbände und Länder können sich dazu äußern und Vorschläge unterbreiten. Was danach irgendwann Fakt sein wird, sind unter anderem auch weitere Informationspflichten gegenüber Kunden, die das Produkt ebenso betreffen wie die Beschaffenheit und Herkunft der Vergütung. Eine solche Offenlegung würde man sich auch in vielen anderen Geschäftsbereichen wünschen.

Anlässlich der DKM wurde auch zur IDD viel diskutiert. Trotz aller Unklarheiten und Unabwägbarkeiten setzt sich bei einer Durchsicht von Meinungen und Kommentaren aber ziemlich einhellig durch, dass sich der Makler und Berater doch möglichst umgehend auf neue Anforderungen vorbereitet. Mental und vorbereitend in noch offenen Punkten, praktisch realisiert bei allen schon bekannten Faktoren. Ob größeres Maklerunternehmen, Einzelkämpfer oder eigenständiges Versicherungsbüro mittlerer Größe, die jeweiligen Geschäftsmodelle müssen zumindest gründlich überdacht werden. Vielleicht kommt dabei heraus, dass eine eigene Spezialisierung und eine Kooperation in anderen Bereichen sinnvoll ist oder dass sich Fin- und Insurtechs auch für die eigenen Zwecke eben etwa zur Prozessoptimierung nutzen lassen.

Gangolf Thoennessen
Geschäftsführer atheus

Apropos Geschäftsmodelle: Verbraucher, also Kunden, müssen für die Altersvorsorge und Vermögensbildung umdenken. Die klassische Lebensversicherung fällt dank der Niedrigzinsen wie viele andere Versicherungs- und Anlageprodukte für die Finanzierung des Ruhestands weg. Damit rückt der sowieso immer noch attraktive Aktienmarkt massiv in den Fokus. Abgesehen von z. B. bestimmten fondsgebundenen Versicherungen bleibt nur dabei der 34d-Vermittler vor der Tür des Kunden. Obwohl er prinzipiell natürlich eine gewisse Aktienexpertise braucht, um solche Anlagen beurteilen zu können.

In Anbetracht dessen, dass sich durch neue regulatorischen Vorgaben (IDD) die Vermittlung von Versicherungsprodukten in Art und Weise der Vermittlung von Finanzanlageprodukten annähert, ist es sinnvoll, über flexiblere Möglichkeiten nachzudenken. Zumal es für den Kunden beim Themen-Dreieck Altersvorsorge, BU und Vermögensaufbau attraktiv ist, eine umfassende Beratung aus einer Hand zu bekommen – Dienstleister, die als Versicherungsmakler gemäß § 34 d GewO und ebenso als Finanzanlagenvermittler gemäß § 34 f GewO auftreten und aktiv werden können, verschaffen sich damit womöglich eine zukunftsfähige Ausgangsposition, die den Bedürfnissen des Marktes entgegenkommt.

Es geht um mehr als Zweckoptimismus

Aufgabe ist es für jeden einzelnen Makler oder Berater, sich konsequent weiter zu professionalisieren. Dazu gehören in jedem Fall die Überprüfung, Einrichtung und Optimierung aller Geschäftsprozesse, die Entwicklung einer konkreten individuellen Businessstrategie und die entsprechenden Fort- und Weiterbildungen. Wir leben in einer Zeit grundlegender Veränderungen mit einer hohen Dynamik in allen Lebens- und Arbeitsbereichen. Waren noch vor wenigen Jahren TV-Streaming-Portale völlig undenkbar, wächst heute schon eine Generation heran, die keine Vorabendserien im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mehr kennt.

Von der aktuellen amerikanischen Regierung über die EU und den Brexit bis zu möglichen Neuwahlen in Deutschland ist vieles längst nicht mehr so einschätzbar wie früher. Was definitiv nicht mehr geht, ist so zu tun, als wäre nichts. Die Zukunft und Chance auch für den Finanzdienstleister liegt in der Bewegung und Veränderung. Eine Aspekt für alle in diesem Bereich Erwerbstätigen ist sicher, dass es künftig für einen wirtschaftlichen Erfolg mehr um die Qualität in der Beratung geht, und das erforderliche Quantum an Abschlüssen zu erreichen.

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